Kochen ohne Reste: Zero Waste in der Küche

Kochen ohne Reste - Zero Waste

Unsere derzeitige Lebensmittelverschwendung ist nicht nur moralisch und ethisch verwerflich, sondern auch ein wesentlicher Faktor der weltweit hohen CO2-Emissionen. Wer sich schon einmal tiefgehender mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, dem verschlägt es nicht selten die Sprache angesichts des Ausmaßes dieser gesellschaftlichen Praxis.

Lebensmittelverschwendung gehört in den hoch entwickelten Industriestaaten leider zum ökonomischen System. Anders lässt sich die aktuelle Situation nicht erklären. Im krassen Gegensatz dazu stehen Schlagworte wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Zero Waste und Kochen ohne Reste. Wir bei VON WALDEN platzieren diese Begriffe nicht nur in unseren Überschriften auf unserer Website, sondern wir versuchen sie in kleinen Schritten in unseren Alltag und unsere Arbeit zu integrieren.

Zero Waste: Worüber reden wir hier überhaupt?

Weggeworfen wird entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Von der Produktion, über das Lager, den Handel und nicht zuletzt der eigenen Küche. An vielen Punkten ist natürlich die Politik gefordert, aber auch wir können mit etwas Neugier und Lust auf Veränderung, einiges bewirken. Möglichkeiten gibt es genug:

  • Wie geht man sinnvoll einkaufen?
  • Wie sieht eine gezielte Mahlzeiten-Planung aus?
  • Wie können wir durch richtige Lagerung die Haltbarkeit von Lebensmitteln erhöhen?
  • Wie gehen wir mit Küchenabfällen um?
  • Wie können wir ohne Reste kochen oder aus Resten etwas Nahrhaftes kochen?
  • Wie kann Zero Waste in der Küche funktionieren?
  • Wie können wir mit den Nose-to-Tail-Ansatz (LINK) unseren Fleischkonsum nachhaltig gestalten?

Was bedeutet Zero Waste in der Küche?

Zero Waste, also wirklich null Abfall, das ist ein hochgestecktes Ziel und wir wissen, dass das wohl kaum möglich sein wird. Uns geht es jedoch um die Abfallvermeidung beim Einkauf und um den Umgang mit den gekauften Lebensmitteln. In der Praxis bedeutet das, dass du dir weniger Verpackungsmüll nach Hause holst und insgesamt weniger Lebensmittel wegschmeißt.

Gerade in der Küche liegt der Schlüssel in der richtigen Lagerung von Lebensmitteln. Aber auch das Haltbarmachen und die Resteverwertung spielen eine ganz wichtig Rolle. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass es wichtig ist, ein Gespür dafür zu bekommen, Lebensmittel vollumfänglich zu nutzen und mit Lebensmittelresten wie mit einer wertvollen Ressource umzugehen. Wir alle sollten wirklich lernen, Lebensmittel wieder wertzuschätzen. Zugegeben: Inmitten einer Überfluss- und Konsumgesellschaft ist das nicht immer so einfach.

Abfallvermeidung in der Küche startet beim Einkauf

Je mehr du auf Märkten, bei Bauern und im Direktvertrieb einkaufst, desto weniger Probleme wirst du mit Verpackungsmüll haben. In großen Städten gibt es zunehmend Zero-Waste-Läden. Hier kannst du deine Behälter, Boxen und Dosen mitbringen und dir die gewünschten Lebensmittel abfüllen. Allerdings bedeutet das auch, auf sogenanntes Convenience Food, vorgefertigtes Essen, weitestgehend zu verzichten. Ist das immer praktikabel? Sicher nicht. Aber oftmals hilft es einfach auch lieb gewonnene Gewohnheiten zu hinterfragen und mit kleinen Schritten in die richtige Richtung zu gehen.

Wenn du, so wie wir, immer viel um die Ohren hast, dann hast du sicherlich nicht die Zeit immer zum nächsten Bauernmarkt zu gehen. Damit bist du nicht alleine und gerade deshalb haben sich in den letzten Jahren viele interessante Projekte entwickelt, die sich genau diesem Problem annehmen. Oft reicht es heute schon sein Smartphone zu bedienen und sich Gutes nach Hause liefern zu lassen – und das direkt vom Bauern.

Das kannst du zum Beispiel bei nahgenuss.at machen. Hier bestellst du online bestes Bio-Fleisch, in größeren Mengen, zu besseren Preisen und – mit weniger Abfall. Natürlich heißt das auch Mahlzeiten besser zu organisieren und kreativer zu kochen.

Eine bessere Planung der Mahlzeiten

Durch eine Planung deiner Mahlzeiten, zum Beispiel in einem wöchentlichen Rhythmus, kannst du nicht nur spontane „Heißhungereinkäufe“ und „Für-alle-Fälle-Vorratseinkäufe“ umgehen, du schonst damit auch dein Haushaltsbudget und die Umwelt. “Meal Prep” liegt übrigens gerade sehr im Trend. 😉

Eine konsequente Mahlzeiten-Planung bedeutet für dich, dass du

  • Einkaufszettel schreibst
  • nur noch das kaufst, was auf dem Zettel steht  und
  • deine Mahlzeiten aufeinander abstimmst

Meal Prep heißt aber auch, dass du viel und kreativ kochen darfst. Du wirst Reste und größere, vorgekochte Portionen für die nächsten Mahlzeiten verwenden können und sparst dir so Zeit bei der Zubereitung der nächsten Gerichte.

Haltbarkeit und Lagerung von Lebensmitteln

Für Zero Waste und ein Kochen ohne Reste ist es auch nötig, sich genauer mit der Haltbarkeit und der optimalen Lagerung seiner Lebensmittel auseinanderzusetzen. Viel zu oft werfen wir “abgelaufene” Lebensmittel weg, obwohl diese nicht verdorben sind. Viel zu oft verwechseln wir “mindestens haltbar bis” mit “zu verbrauchen bis”. Das muss nicht sein.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf den Verpackungen gibt einen Termin an, bis zu dem das Produkt auf jeden Fall noch verzehrt und verkauft werden kann. Es ist eine Richtlinie für die Qualitätssicherung und kein Indikator für ungenießbares Essen. Ob ein Lebensmittel nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum wirklich verdorben ist, erkennst du, indem du es dir anschaust (Konsistenz, Farbe), daran riechst und auch schmeckst.

Mach dich also schlau über die richtige Aufbewahrung von Lebensmitteln. Du wirst staunen, wie viele Lebensmittel im Kühlschrank eher schlecht werden und vor allem erfahren, in welcher Zone deines Kühlschrankes, was am besten aufgehoben ist.

Kochen ohne Reste – Kochen mit Resten

Ganz ehrlich: Wieviel kannst du wirklich essen? Wie viel Lebensmittel werden realistisch pro Person für eine Mahlzeit benötigt? Das ist wirklich von Mensch zu Mensch unterschiedlich und variiert nach Jahres- und Tageszeit. Im Allgemeinen tendieren wir aber eher dazu uns immer zu viel auf den Teller packen. Aber selbst das muss nicht immer schlecht sein.

Ein gut überlegtes Reste-Management hilft, wenn wieder mal die Augen größer waren als der Hunger. Blanchiertes Gemüse oder Gerichte, wie Suppen und Eintöpfe, können gekühlt auch 2-3 Tage später gegessen werden, eignen sich aber auch hervorragend zum Einfrieren. Fleischreste lassen sich ebenfalls wiederverwerten, wenn du die Kühlkette einhältst. Es gibt also kaum einen Grund Essensrest wegzuschmeißen. Mache lieber “self made convenience food” daraus. Das einzige, was du dafür brauchst ist Wille und ein paar kreative Ideen.

In diesem Beitrag habe ich klassische Empfehlungen für Portionsgrößen zusammengestellt. Vielleicht schaust du mal rein.

Apropos Rest: Foodsharing ist ein weiteres Stichwort, das unbedingt zum Kochen ohne Reste gehört. Hier sind nicht nur die Tafeln und gemeinnützige Organisationen gemeint, sondern vielleicht auch die gestresste Nachbarin oder ein alter, alleinstehender Nachbar. Vielleicht freuen sie sich über eine Portion Selbstgemachtes? Versuch’s doch einmal!

Küchenabfälle? Gibt es so gut wie gar nicht

Wenn du beim Einkaufen deiner Lebensmittel konsequent darauf achtest, keinen Verpackungsmüll mit nach Hause zu nehmen, machst du schon ganz viel richitg. Bleiben nur noch die sogenannten Küchenabfälle. Was sind Küchenabfälle?

Dazu zählen Teebeutel, Kaffeefilter, Eier- und Nussschalen sowie Obst- und Gemüseabfälle nach dem Putzen. Eine erste Möglichkeit: die Bio-Tonne oder der Kompost. Aus diesen Abfällen wird also im besten Fall Biogas oder fruchtbare Gartenerde. Das ist doch schon was Feines! Dennoch lässt sich auch dieser “Abfall” auf ein Minimum reduzieren oder sogar ganz vermeiden.

Beim Obst und Gemüse sitzt das Beste oft direkt unter der Schale und die Schalen selbst versorgen den Darm mit Ballaststoffen. Wenn du das Gemüse also nur schrubbst oder einen Sparschäler verwendest, dann ist das auch noch gesund für dich. Fenchel, Zwiebeln, Knoblauch, Karotten, Kräuter oder Staudensellerie treiben sogar neu aus, wenn du sie ins Wasser stellst oder in die Erde steckst!

Was du ebenfalls machen kannst, ist mit den anfallenden Gemüseabfällen eine Gemüsebrühe anzusetzen, davon sind unsere Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer immer total begeistert. Diese Gemüsesuppe kannst du auf vielfältige Art in deiner Küche einsetzen und sparst dir auf der anderen Seite, die oft ungesunden und teuren Suppenwürfel!  Aus verschrumpeltem Obst und Gemüse kannst du immer noch köstlichen Kompott oder Smoothies herstellen.

Fleisch-Abfall? Nose-to-Tail

Beim Stichwort „Nose-to-Tail“ geht es um unseren dekadenten Fleischkonsum. Steaks, Filets, Schnitzel, Burger und Wurst, Hauptsache man wird auf dem Teller nicht an ein Lebewesen erinnert. Dabei würde genau das helfen, Tiere als Nahrungsmittel mehr wertzuschätzen und dementsprechend sorgsam mit allen anfallenden Fleischteilen umzugehen.

Kochen ohne Reste, das heißt auch Nieren, Kutteln, Schwanz und Pfote zu schmackhaften Gerichten zu verarbeiten. Wusstest du? Der Engländer Fergus Henderson brachte diese Redewendung 1999 mit seinem Kochbuch „The Complete Nose to Tail“ ins Gespräch. Seitdem erfreur sie sich immer mehr Beliebtheit.

Dem Wegschmeißen ein Ende setzen

Du siehst, die Möglichkeiten gegen Lebensmittelverschwendung anzugehen, sind fast unendlich. Wenn du einmal in diese Thematik eintauchst, wirst du immer neue Möglichkeiten entdecken. Beginne zunächst mit Kleinigkeiten, die du einfach umsetzen kannst. Dann steigere dich langsam.

Nur, wenn es auch Spaß macht, wirst du es letztendlich in dein Leben integrieren können. Kochen ohne Reste und Zero Waste werden nach und nach zu einem festen Bestandteil deines Lebens.